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Kein Heldentum bei 6 Grad und Bremsdefekt

April 19, 2026
Schotterweg im Harz bei Wernigerode mit weitem Blick über kahle Waldflächen und bewölktem Himmel

Heute wäre mein Harz Gravel 66 gewesen. Ich war da. Ich stand am Start. Ich bin sogar die ersten Meter mitgerollt.

Und trotzdem war mein Rennen nach nicht einmal hundert Metern vorbei.

Der Grund war weder fehlende Form noch mangelnder Wille. Es war auch nicht die übliche Nervosität vor einem Event. Der Grund war deutlich einfacher — und leider ziemlich eindeutig: Meine Hinterradbremse hatte praktisch keine Bremskraft.

Unter trockenen Bedingungen wäre das schon ein Problem gewesen. Bei dem, was heute im Harz los war, war es für mich jedoch keine diskutierbare Kleinigkeit mehr, sondern ein klares Stoppschild.

Grüne Startnummer 2453 des Harz Gravel als Symbol für die Vorbereitung auf das Gravel Race

Diesmal war eigentlich alles bewusst entspannt geplant

Was den Tag zusätzlich bitter macht: Eigentlich hatte ich den Rahmen rund um das Event diesmal bewusst gut aufgebaut. Ich hatte mit dem Campingplatz Am Brocken einen wirklich schönen Platz in der Nähe gefunden und war bereits am Donnerstag angereist. Das hatte gleich mehrere gute Gründe: Ich konnte den Freitag noch für ein bisschen Remote Work nutzen, mich anschließend locker einrollen und insgesamt den ganzen Ablauf deutlich entspannen. Genau das war der Plan: nicht erst auf den letzten Drücker ankommen, sondern den Stress aus Anreise, Ankommen, Akklimatisieren, Startunterlagen holen und Rennmorgen etwas auseinanderziehen. Gerade bei Events finde ich das enorm wertvoll. Man ist früher vor Ort, kann sich in Ruhe sortieren, bekommt ein Gefühl für Umgebung und Wetter und startet mental deutlich sauberer in den eigentlichen Tag. Umso frustrierender war es, dass das Rennen am Ende nicht an Hektik, schlechter Vorbereitung oder fehlender Form gescheitert ist — sondern an einem technischen Problem.

Warum ich aufgehört habe

Ich bin losgerollt, habe die ersten Meter mitgenommen und ziemlich schnell gemerkt: Das passt nicht. Die Hinterradbremse hatte faktisch keine verlässliche Wirkung mehr. Und genau an dem Punkt war für mich Schluss.

Nicht, weil ich heute besonders vorsichtig sein wollte. Sondern weil die Rahmenbedingungen jede Unsicherheit sofort größer gemacht haben:

  • seit Stunden strömender Regen
  • 6°C Lufttemperatur
  • komplett aufgeweichte Strecke
  • entsprechend mehr Rutschgefahr, längere Bremswege und deutlich schlechter kalkulierbare Situationen.

Mit einer Bremse, der ich nicht vertrauen kann, fahre ich unter solchen Bedingungen kein Gravelrennen. Nicht „mal schauen“. Nicht „wird schon irgendwie gehen“. Und auch nicht, weil man nun einmal schon da ist.

Besonders bitter: Es war nicht das erste Mal

Was die Sache noch ärgerlicher macht: Es war bereits der zweite Defekt der gleichen Art.

Wieder ging es um eine gebrochene Schraube im Bremshebel zur Einstellung des Hebels — in meinem Fall am SRAM Apex. Besonders relevant dabei: Der alte Bremshebel war bereits gegen einen neuen getauscht worden. Trotzdem ist derselbe Defekt erneut aufgetreten.

Genau deshalb fühlt sich das Ganze nicht nur wie ein unglücklicher Einzelfall an. Wenn ein Bauteil ersetzt wird und anschließend derselbe Schaden erneut auftritt, lässt sich aus meiner Sicht ein Konstruktionsproblem bei den Apex-Schalthebeln zumindest nicht ausschließen.

Ein Defekt kurz vor oder beim Event ist immer unerquicklich. Wenn es aber bereits der zweite Defekt derselben Art ist, wird aus Pech sehr schnell ein Thema, das Vertrauen kostet. Und Vertrauen ist bei einer Bremse keine Nebensache.

Manchmal ist Aufhören die bessere Leistung

Im Sport wird gern das Bild gefeiert, immer durchzuziehen. Kopf runter, weitermachen, irgendwie lösen.

Ich verstehe das. Ich mag diese Haltung in vielen Situationen auch selbst.

Aber sie hat Grenzen.

Es gibt einen Unterschied zwischen mentaler Härte und unnötigem Risiko. Und genau dieser Unterschied war heute für mich ziemlich klar.

Eine schlecht oder gar nicht funktionierende Bremse ist kein Detail. Sie ist auch kein Komfortproblem. Sie ist sicherheitsrelevant — erst recht, wenn Wetter und Untergrund ohnehin schon maximal unangenehm sind und sich 1.100 anderen Teilnehmern auf der 33-km-Strecke des Harz-Gravel befinden.

In so einem Moment ist Aufhören nicht schwach. Es ist schlicht vernünftig.

Im Nachhinein fühlt sich die Entscheidung noch richtiger an. Aus dem Teilnehmerfeld habe ich inzwischen die Rückmeldung bekommen, dass das Rennen wegen der Wetterverhältnisse und der erhöhten Zahl an Stürzen abgebrochen wurde.

Spätestens damit war klar: Mit einer Hinterradbremse ohne verlässliche Funktion wäre Weiterfahren an diesem Tag keine mutige, sondern eine falsche Entscheidung gewesen.

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Es ärgert mich trotzdem

Natürlich frustriert mich das. Ich war auch kurz den Tränen nahe.

Nicht wegen einer schlechten Platzierung. Nicht einmal wegen einer verpassten Zeit.

Sondern vor Wut, vor Enttäsuschung, weil in so einem Event immer mehr steckt als nur der Tag selbst: Vorbereitung, Gedanken, Vorfreude, Training, Logistik, Fokus. Man richtet innerlich etwas auf diesen Termin aus. Und wenn dann nach hundert Metern wegen einen kleinen Schraube Schluss ist, fühlt sich das erst einmal ziemlich leer an.

Gerade weil ich die Anreise diesmal bewusst so gelegt hatte, dass der ganze Ablauf entspannter wird, fällt der Kontrast noch stärker auf: Der Rahmen war richtig gut. Der Plan war sinnvoll. Die Basis hat gepasst. Und trotzdem reicht am Ende ein technischer Defekt, um alles abrupt zu beenden.

Das gehört zur Wahrheit auch dazu.

Und trotzdem war es kein verlorener Tag

Trotzdem nehme ich aus diesem Wochenende etwas mit.

Zum einen die Bestätigung, dass sich eine entspannte Event-Anreise mit Camper, frühem Aufbau und ruhigem Vorabend absolut lohnt. Allein dafür war die Entscheidung, schon am Donnerstag anzureisen, richtig. So etwas nimmt Druck raus und macht den gesamten Ablauf angenehmer.

Zum anderen bleibt die Erinnerung daran, dass Technik nicht bloß Beiwerk ist. Im Ausdauersport reden wir gern über Form, Ernährung, Pacing, Motivation und Trainingssteuerung. Alles wichtig. Aber am Ende muss das Material in genau dem Moment funktionieren, in dem es darauf ankommt.

Und vielleicht ist genau das einer der unspektakulären, aber ehrlichen Sätze dieses Wochenendes:

Du kannst vieles gut vorbereiten. Aber wenn die Technik nicht mitspielt, hilft dir der beste Plan nur bis zur Startlinie.

Was ich daraus mitnehme

Für mich bleibt aus diesem Morgen vor allem:

  • Eine Bremse ist keine Nebensache.
  • Schlechte Bedingungen machen kleine technische Probleme sofort groß.
  • Ein wiederkehrender Defekt ist mehr als bloß Pech.
  • Ein abgebrochenes Rennen ist nicht automatisch ein verschenkter Tag.
  • Vernunft ist manchmal die unspektakulärste, aber beste Entscheidung.

Und vielleicht passt genau das sogar ziemlich gut zu dem, wofür Just Riding stehen soll:
nicht für romantisierte Heldengeschichten auf Biegen und Brechen, sondern für die echte Mischung aus Sport, Technik, Erfahrung und ehrlicher Einordnung.

Mein Fazit

Kein Finish. Kein Ergebnis. Keine heroische Story.

Stattdessen ein Wochenende mit guter Planung, einem schönen Stellplatz am Campingplatz Am Brocken, einem bewusst entspannten Vorlauf mit Remote Work am Freitag, lockerem Einrollen und dem Versuch, den Eventstress klug zu verteilen.

Und dann doch ein Ende nach hundert Metern — wegen einer Hinterradbremse ohne Vertrauen, bei 6 Grad, Dauerregen und völlig aufgeweichter Strecke.

Das ist ärgerlich. Aber es macht die Entscheidung nicht falscher.

Rückblickend bestätigt sich die Entscheidung damit sogar noch einmal. Aus dem Teilnehmerfeld kam später die Rückmeldung, dass das Rennen wegen der Wetterverhältnisse und der erhöhten Zahl an Stürzen abgebrochen wurde. Viel deutlicher kann ein Tag kaum zeigen, dass Sicherheit vor Ehrgeiz kommen muss.

Und es hat noch eine weitere Konsequenz:
Nachdem der alte Bremshebel bereits gegen einen neuen getauscht worden war und nun derselbe Defekt erneut aufgetreten ist, werde ich mir sehr genau überlegen, ob ich bei dieser Lösung bleiben will. Aus meiner Sicht lässt sich ein Konstruktionsproblem bei den Apex-Schalthebeln nicht ausschließen. Entsprechend mache ich mir inzwischen auch Gedanken über eine andere Schaltgruppe.

Der nächste Start kommt.
Dann hoffentlich mit funktionierender Bremse — und etwas weniger Wasser von oben.

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Ich bin Carsten und auf just-riding.de geht es um Training für Gravel und Enduro-MTB — ehrlich, praxisnah und ohne großes Blabla. Ich fahre Mountainbike schon seit den 90ern, mit Pausen, Umwegen und einer sportlichen Geschichte, die nicht immer geradeaus verlief. Nach vielen Jahren Triathlon und einem Knie, das irgendwann nicht mehr mitgespielt hat, habe ich für mich einen neuen Weg gefunden: zurück aufs Bike, zurück zur Bewegung, zurück zu mehr Gesundheit — körperlich und mental. Dazu gehört für mich nicht nur strukturiertes Training, sondern auch das Drumherum: rauskommen, neue Strecken entdecken und mit dem Camper Van biken dort verbinden, wo Bewegung, Natur und Freiheit zusammenpassen. Heute beschäftige ich mich intensiv mit Trainingssteuerung, sinnvollen Methoden und der Frage, wie man auch mit 53 noch gezielt, mit Spaß und vor allem langfristig dranbleiben kann.
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